Quo Vadis, Optimierung manueller Systeme in der Intralogistik?

In unserem aktuellen Podcast beschäftigen wir uns mit dem Thema Digitalisierung und Automatisierung in der Intralogistik. Das es hierzu mehr als eine Meinung gibt, wird jedem klar, der sich mit dem Thema auseinandersetzt. Eine der aufgestellten Thesen während unseres Gesprächs behandelte die Frage nach der Symbiose zwischen Automatisierung und Digitalisierung. Oder einfach gefragt: Erhalte ich aus der Digitalisierung auch dann Vorteile, wenn ich nicht massiv auf Automatisierung setze? Um dieses Thema einmal näher zu beleuchten, möchten wir nachfolgend beispielhaft zwei Unternehmen betrachten, die sich mit Ihren Produkten genau in diesem Spannungsfeld bewegen.

Natürlich optimieren, aber auf welcher Basis?

Beschäftigt man sich mit bestehenden Systemen ist der Weg hin zur Optimierung meist vorgezeichnet. Warum sonst damit auseinandersetzen? Wird dieser Pfad also beschritten, ist der Weg zur ersten Kreuzung nicht sonderlich weit: Links oder rechts; Optimierung meines IST´s oder Greenflied mit Fokus auf dem SOLL? An diesem Punkt treffen dann meist historische Rahmenwerte sowie gewachsenen Wahrheiten hinsichtlich des vorhandenen Systems auf Hochglanzversprechen innovativer Technik. Die Treiber für die Entscheidung in welche Richtung es gehen soll, sind dann in den meisten Fällen strategische Überlegungen sowie die Größe des Budgets. Was als Zielvorgabe resultiert ist dann entweder der radikale Bruch mit dem Alten oder ein Klon des bestehenden. Sehr viel seltener stößt man auf die Optimierung bestehender Systeme, bei der basierend auf vorhandene Ressourcen und Möglichkeiten neue Prozesse und Ideen geborenen werden. Der Grund dafür ist relativ einfach.

Um eine solche Optimierung durchzuführen, muss man erkennen können wo der Schuh drückt und warum er es tut. Gleichzeitig gilt es sich bewusst zu werden, welche Systemgrenzen wirklich existieren und welche nur gefühlt. Beides ist in einem Greenfieldprojekt deutlich einfacher zu definieren als bei einer Optimierung. Denn wer soll in der Lage sein, ein historisch gewachsenes System noch in seiner Gänze und objektiv bewerten zu können? In diese Fragestellung stößt die Firma MotionMiners. Das Start-up aus Dortmund, welches dem Frauenhofer IML entspringt, trackt manuelle Arbeitsschritte und visualisiert KI-basiert Optimierungspotentiale. Der Große Vorteil: eine umfangreiche Datenbasis brauche ich im Vorfeld nicht zu erheben. Ich schaue mir als Kunde lediglich an, welche Prozesse ich aus ergonomischer und prozessualer Sicht für verbesserungswürdig halte. MotionMiners platziert darauf hin ihre Sensoren an die entsprechenden Arbeitsplätze sowie die jeweiligen Mitarbeiter und wertet dann aus. Den operativen Ablauf stört dies nur marginal.

Die Ergebnisse der Analyse können dann dazu führen, ganz neue Potentiale innerhalb der eigenen Logistik zu erkennen. Das Produkt von MotionMiners hilft somit dabei, mit KI, Sensorik sowie weiteren Werkzeugen der Digitalisierung explizit manuelle Tätigkeiten und Prozesse zu verbessern. So können auch manuelle Lager zukunftsfähig gestaltet werden.

Einen Klick von der Optimierung entfernt

Einen ganz anderen Ansatz für die Optimierung manueller Lager liefert die Firma ProGlove. Das Münchener Unternehmen mit dem Fokus auf Wearables hat dabei einen ganz anderen essentiellen Faktor für die „nächste industrielle Revolution“, wie ProGlove selbst sagt, identifiziert: den Menschen. Der Ansatz ist dabei denkbar einfach. ProGloave macht es sich zu nutzen, dass in modernen Materialflüssen neben den Gütern auch eine Vielzahl an Informationen fließen. Diese müssen erhoben, verarbeitet und weitergeleitet werden. Klassischerweise funktioniert dies mit Zetteln, aber auch modernere Methoden wie MDE´s, Pick-by-Voice oder Pick-by-Vision halten immer mehr Einzug in die Lager und Produktionsstraßen dieser Welt. Benötige ich um die 100 solcher Informationspunkte täglich, ist dies leicht nebenbei getan. Komme ich aber irgendwann in andere Regionen, tut jede unnütze Sekunde je Scan- oder Schreibvorgang sehr weh.

ProGlove hat hierzu einen Handschuh mit auf steckbaren Scanner entwickelt, sodass während eines Pick, Put oder sonstigen Vorgangs, der einen Scan benötigt, beide Hände des Mitarbeiters nutzbar sind. Der Vorteil ist naheliegend. Anstatt meine produktiven Tätigkeiten zu unterbrechen um Informationen aufzunehmen geschieht dies während der Tätigkeit. Hierfür muss kein MDE in die Hand genommen werden, keine Notiz muss auf den Pickzettel geschrieben werden und keine sprachlichen Kommandos müssen beachtet werden. Die Notwendigkeit der Informationsverarbeitung wird auf die essentielle Komponente reduziert; den Scan. Dies spart Zeit und da Zeit bekanntlich Geld ist, auch finanzielle Mittel. Zusätzlich erhält das Produkt die in manuellen Lagern notwendige Flexibilität dadurch, dass es nicht ortsgebunden ist. Auch komplizierte Software und Systemschnittstellen im Hintergrund sind nicht notwendig.

Optimierung braucht nicht immer einen Neuanfang

Wie sich sowohl in unserer aktuellen Podcastfolge als auch anhand der beiden Beispiele zeigt, bietet die Digitalisierung eine Vielzahl an Ansätzen, die Intralogistik voranzubringen. Sei es durch einen intelligenten Scanner, der seine Funktion auf das wesentliche reduziert, oder sei es durch die Visualisierung von Schwachstellen in der Abwicklung mit Hilfe clever positionierter Sensoren; Digitalisierung muss nicht komplex sein. Auch KMU´s können in ihrer Abwicklung eine Menge erreichen, ohne das Portemonnaie zu sehr zu strapazieren.

Und darum: Neugierig bleiben!

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